Rede Malte Sonnenfeld zur Vernissage 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kollegen,sehr geehrte Frau Weidmann, liebe Gäste
es ist ein spannender Moment, wenn Kunstwerke den Ort ihrer Entstehung verlassen. Oft entfalten sie ein überraschendes Eigenleben, sobald sie vom Atelier des Künstlers an ihren neuen „Wirkungsort“ gebracht worden sind. Sie erobern sich unaufdringlich und zugleich unaufhaltsam ihren Raum, zuweilen in einer Weise, wie sie selbst den Künstlern nicht vorgeschwebt hat.
So könnte ich wohl meine Rede wohl beginnen, weiter fortfahren und in dem Text, den eigentlich der ehemalige Bundespräsident Thierse verfasst hat, den Namen des Künstlers durch die beiden Namen der heutigen anwesenden Künstler austauschen und niemand von Ihnen würde es merken.
Ist die Kunst so beliebig? Um Gottes Willen, Nein! Zumindest nicht die ausgezeichnete Kunst der beiden heutigen Aussteller. Nein, ich sag Ihnen woran es liegt. Das Publikum braucht Informationen! Mehr denn je. Es reicht nicht mehr das Kunstwerk allein und den Text daneben zu lesen. Der Betrachter braucht Infos aus erster Hand. Hypertext! Verlinkt!
Scheinbar erwartet man (heute?) in der Kunst einen Zauberer, einen Schamanen (so wie Beuys, der gerne einer gewesen wäre) einen Houdini der Kunst, der sowohl in technischer Fertigkeit, als auch in allgemein verständlicher Aussage, aber bitte nicht zu plumper, uns alle einen Weg weist…einen Weg aus unsäglichen Silvesternächten, aus der nächsten Steuermahnung, aus der Sorge um die eigenen Kinder oder den eigenen Körper und uns in ein artizielles Nirwana führt, das über uns thront wie das Deckenfresko von Barbara von Nikomedien in Sankt Ulrich.

Stattdessen kommen Caspar Reuter und Andre Böxkes und setzen dem Publikum noch mehr verschlüsselte Kunst vor die Nase. Nun, liebes Publikum, seien Sie froh, geniessen Sie doch einfach mal, daß sich solche Kunst vor Ihrem Auge präsentiert. Denn das was sie hier sehen ist, ist mit Verlaub, die zeitgenössische rheinische Kunstszene, zu der ich mich ebenfalls zähle, wie sie besser und vielfältiger nicht sein könnte. Caspar und Böxkes sprechen zu ihnen mit Ihren Werken und Ihrer Kunst als zwei hervorragende Repräsentanten unserer Szene.

Eine Kunst, die Kraft hat, zuweilen zornig ist, leidenschaftlich, heiter, geheimnisvoll, bedrohlich, hoffend und sich der Welt durch die eigene Sicht, durch die unverwechselbare Originalität entgegenstellt.

An dieser Stelle ein herzliches Danke-Schön auch an das Unternehmen Schönwert, geführt durch Cornelia Weidmann, das sie neben Immobilien auch Kunst anbieten. Neben den Werken der beiden ausstellenden Künstler André Böxkes und Caspar Reuter bietet Schönwert auch Kunst von Beuys, Dieter Roth, Meese und Sigmar Polke an. Vielen Dank und alles Gute zur Eröffnung.
Oft wird man auf Ausstellungen und Vernissagen gebeten, etwas zu seinen Bildern, seinen Skulpturen zu sagen. Sozusagen einen Verständnisschlüssel abzuliefern und das ohne bereits ein einziges Bild verkauft worden ist. 

Meine Damen und Herren, ich kann Ihnen – ja fast pauschal – versichern: Jeder Künstler, also auch die beiden anwesenden, sind davon angetan, wenn ihre Kunstwerke interpretiert werden. Da spielt es keine Rolle, ob man Cross-Medial arbeitet, Neo-Pop Art oder expressive Abstraktion malt oder Skulpturen herstellt. Interpretieren Sie also ruhig die Kunstwerke, die Sie hier sehen.

Und wenn Sie nicht wissen, was Sie von diesem oder jenem Werk zu halten haben, dürfen Sie auch ruhig die anwesenden Künstler fragen… Zum Beispiel nach dem Preis des Werkes. 

Aber der „Mehr-Wert“ des Kunstwerkes kommt durch IHRE Sichtweise und IHRE Interpretation zustande, nicht durch den Pinselschwung des Künstlers und auch nicht durch schwammige Vernissagereden. Kunstexperten neigen ja bekanntlich dazu, weniger über die Kunst im Raum zu reden, als über Malerei an und für sich, das Weltentheater, das Göttliche oder auch die Unendlichkeit. Fein aus dem Schneider ist, wer rechtzeitig zur Toilette entfliehen kann. Galerien ohne Toilette sind höchst riskant, heißt es ja.

Daher sind Fragen, meine Damen und Herren, unsere einzige Rettung, nicht Antworten! Wenn wir uns von der angeborenen Hybris lösen könnten, dass die menschliche Rasse das Ende der Evolution ist, die menschliche Rasse würde ewig überdauern; wenn wir von dieser Sicht auch nur einen Schritt zurücktreten, dann würden wir einen Großteil der unterschwelligen Angst verlieren und manche Probleme fänden vielleicht eine schnelle, eine bessere Lösung. Und wir könnten uns endlich auf das konzentrieren was wirklich wichtig ist: Kunst! Danke schön!

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